Redaktionsstand: 14. September 2026. Grundlage ist die abgeschlossene Recherche anhand der unten genannten Hersteller- und Ausstellerquellen. Wir haben die Geräte nicht selbst getestet. Ankündigungen sind keine bestätigte Lieferbarkeit; Preise und aktuelle Kaufangebote sind nicht Gegenstand dieses Überblicks.
Zwischen Fernsehern, Haushaltsrobotern und KI-Gadgets hatte die IFA 2026 auch auffällig viel Technik für Hunde und Katzen zu bieten. Interessant ist dabei weniger, wie oft Hersteller das Wort „AI“ verwenden. Spannender ist, welche Geräte ein konkretes Problem anders lösen als bisher.
Wir haben deshalb nicht einfach alle PetTech-Aussteller gesammelt. Entscheidend waren drei Fragen: Ist das Produkt wirklich neu? Löst es ein nachvollziehbares Alltagsproblem? Und welche Aussagen sind bereits belegt, statt nur Teil der Herstellerwerbung zu sein?
Die interessantesten PetTech-Neuheiten der IFA 2026
Für PfotenTechnik stechen vor allem zwei Neakasa-Neuheiten heraus: Riko, ein Futterautomat, der geeignetes trockenes beziehungsweise gefriergetrocknetes Futter erst unmittelbar vor der Mahlzeit mit Wasser zubereitet, und M9, eine neue offene automatische Katzentoilette mit verändertem Sicherheitskonzept.
Daneben zeigen Litter-Robot 5, LavvieTAG 2, PetSuper, WePaws und PawSwing, wohin sich Haustiertechnik entwickelt: Geräte sammeln mehr Alltagsdaten, Hersteller verbinden mehrere Produktkategorien miteinander und manche Anbieter versuchen, Sicherheitsprobleme nicht nur per Sensor, sondern bereits konstruktiv zu lösen.
Nicht jedes Gesundheits- oder KI-Versprechen ist damit automatisch belastbar.
Neakasa Riko: kein klassischer Nassfutterautomat
Riko ist eine der ungewöhnlicheren Futterautomaten-Neuheiten. Neakasa bezeichnet das Gerät als Lösung für frisch zubereitete feuchte Mahlzeiten. Technisch unterscheidet es sich aber deutlich von den üblichen Nassfutterautomaten mit Kühlfach.
Der Automat lagert geeignetes trockenes beziehungsweise primär gefriergetrocknetes Katzenfutter und Wasser getrennt. Zur programmierten Fütterungszeit wird eine Portion ausgegeben, zerkleinert und mit Wasser vermischt. Fertiges Nassfutter liegt also nicht stundenlang im Gerät.
Das ist eine wichtige Unterscheidung: Dosenfutter, Futter aus Portionsbeuteln, Rohfutter, bereits feuchtes oder selbst gekochtes Futter dürfen laut Neakasa nicht in den Futterbehälter.
Für den deutschen Markt nennt Neakasa derzeit einen 3-Liter-Futterbehälter, einen 2,4-Liter-Wassertank, 1 bis 15 Gramm Futter je Ausgabe, bis zu 20 geplante Mahlzeiten täglich und ein einstellbares Wasser-Futter-Verhältnis von 1:1 bis 5:1. Gesteuert wird über die Neakasa-App; für die vernetzte Nutzung nennt die deutsche Produktseite Bluetooth und 2,4-GHz-WLAN.
Ist Riko wirklich ein Nassfutterautomat?
Nur eingeschränkt. Riko lagert kein fertiges Nassfutter und ersetzt keinen gekühlten Nassfutterspender. Treffender ist: Der Automat bereitet aus geeignetem trockenen Futter und Wasser unmittelbar vor der Fütterung eine feuchte Mahlzeit zu.
Genau darin liegt aber auch der interessante Ansatz. Wer ohnehin gefriergetrocknetes Alleinfutter rehydriert, kann damit einen bisher manuellen Arbeitsschritt automatisieren.
Offen bleibt, wie zuverlässig Mahlwerk, Portionierung und Reinigung langfristig funktionieren. Ein eigener PfotenTechnik-Praxistest liegt nicht vor.
Details zu Futterkompatibilität, Portionierung und Reinigung stehen im Neakasa Riko Datencheck.
Zur Einordnung der Bauarten: Smarte Futterautomaten. Riko ist eine Speziallösung für eine passende Fütterungsweise, keine pauschale Top-Empfehlung. Gemeinsame Nutzung bedeutet keine individuelle Zugangserkennung, sichere Portion-Zuordnung oder Fütterungssteuerung pro Katze.
Quellenkonflikt: Die deutsche und die EU-Produktseite nennen unterschiedliche Tank-, Portions-, Akku- und Verbindungsdaten. Hier gelten die Angaben der deutschen Produktseite vom 14. September 2026; EU-Werte werden nicht beigemischt. Auch „bis zu 20 Mahlzeiten“ folgt der Produktseite und nicht der abweichenden Formulierung „mehr als 20“ im Herstellerartikel.
Neakasa M9: Sicherheit stärker in die Konstruktion verlagert
Die zweite relevante Neakasa-Neuheit ist M9. Die automatische Katzentoilette bleibt dem offenen Grundgedanken der M1-Familie treu, verändert aber den Reinigungsmechanismus.
Neakasa nennt das Konzept TILT-SAFE. Während des Reinigungszyklus soll der Toilettenraum offen bleiben. Damit versucht der Hersteller, mögliche Klemmstellen bereits über die Geometrie und Bewegung des Systems zu reduzieren, statt Sicherheit ausschließlich über elektronische Sensoren herzustellen.
Das bedeutet noch nicht, dass M9 nachweislich sicherer als andere automatische Katzentoiletten ist. Dafür fehlen derzeit unabhängige Tests des finalen Serienprodukts.
Der Hersteller nennt außerdem eine als 96 Liter bezeichnete „Open-View Cabin“, ein rund 26 Zentimeter hoher Einstieg, ein Streuschutzring und das PureTower-System zur Geruchskontrolle mit Aktivkohle und Trockenmittel. App-Steuerung sowie Nutzungs- und Gerätestatusdaten sind ebenfalls angekündigt.
Im Recherchepaket vom 14. September 2026 ist der Marktstart für den 9. Oktober 2026 angekündigt. Ein Deutschlandpreis oder verbindlicher deutscher Liefertermin ist damit nicht bestätigt. Außenmaße, Gewicht, Abfallbehältervolumen, Katzen- und Automatik-Mindestgewicht, Sensoranzahl und -typen, Streukompatibilität, Lautstärke, Verbrauchsmaterialkosten, Offline-Verhalten und die finale M9-Garantie bleiben in dieser Einordnung offen. Die 96-Liter-Kabinenangabe ist keine Angabe zum Abfallbehälter.
Was ist gegenüber dem M1 Plus wirklich neu?
Die bisher belegbaren Unterschiede sind vor allem:
- niedrigerer Einstieg: rund 26 cm statt etwa 35,2 cm beim im PfotenTechnik-Datensatz geführten M1 Plus
- TILT-SAFE als veränderter mechanischer Sicherheitsansatz
- 96-Liter-Open-View-Cabin als neue Raumangabe
- PureTower-Geruchskontrolle mit Aktivkohle und Trockenmittel
Ob diese Änderungen in der Praxis tatsächlich einen Vorteil bringen, lässt sich vor dem Marktstart noch nicht seriös bewerten.
Den bisherigen Ansatz beschreibt unser Neakasa M1 Plus Datencheck. Orientierung zu Bauarten und Auswahl bietet der Ratgeber Automatische Katzentoiletten.
Litter-Robot 5: nicht mit dem 5 Pro verwechseln
Bei Whisker ist die Modellbezeichnung schnell verwirrend. Litter-Robot 5 und Litter-Robot 5 Pro sind zwei getrennte Produkte.
Laut Whisker bietet der normale Litter-Robot 5 unter anderem WasteID, Gewichtsdaten und Unterstützung für bis zu fünf Katzen. Der 5 Pro ergänzt insbesondere zwei Kameras, AI-gestützte Katzenidentifikation und individuellere Auswertungen. Diese Herstellerangaben sind modellbezogen; eine IFA-exklusive Premiere wird hier nicht behauptet.
Für die Kaufentscheidung sollten Informationen des 5 Pro deshalb nicht auf den normalen LR5 übertragen werden.
Angaben zur deutschen Verfügbarkeit des normalen LR5 lassen sich nicht aus dem Pro-Modell ableiten. Unser Litter-Robot 5 Pro Datencheck behandelt ausschließlich die Pro-Ausführung.
LavvieTAG 2: sehr kleiner Tracker, aber kein klassischer GPS-Tracker
PurrSong zeigte mit LavvieTAG 2 einen sehr kleinen Fitness- und Standorttracker. Der Hersteller nennt rund 5 Gramm Gewicht und 22,5 × 22,5 Millimeter.
LavvieTAG 2 soll unter anderem Aktivitätsmuster wie Schlafen, Gehen, Rennen, „Zoomies“ und Fellpflege erfassen. Für die Standortsuche setzt PurrSong auf Samsung SmartThings Find.
Das ist ein entscheidender Punkt: SmartThings Find ist nicht automatisch mit einem klassischen GPS-Tracker inklusive Mobilfunkverbindung und kontinuierlichem Live-Tracking gleichzusetzen. Für einen echten Produktvergleich müssten unter anderem Reichweite, Aktualisierungsverhalten, Batterielaufzeit, Android-/Samsung-Abhängigkeit und Deutschlandverfügbarkeit genauer geprüft werden.
Die Einordnung bleibt deshalb auf das angekündigte Konzept beschränkt. Unser GPS-Tracker-Ratgeber erklärt die Anforderungen an klassische Ortungssysteme.
PetSuper: interessanter ist das Ökosystem als das einzelne Gerät
PetSuper zeigte auf der IFA mehrere Geräte, darunter LitterGo, FeedView, HydriGo, DryGo und ViGo.
Die eigentliche Entwicklung dahinter ist jedoch das geplante Zusammenspiel. Der Anbieter will Daten aus Fütterung, Trinkverhalten, Toilettennutzung, Pflege und Kamera-/Verhaltensdaten zusammenführen.
Das ist ein plausibler PetTech-Trend: Statt fünf isolierter smarter Geräte entsteht ein gemeinsames Datenprofil des Haustiers.
Der schwierige Teil beginnt bei der Interpretation. Aus veränderten Routinen können interessante Hinweise entstehen; daraus folgt aber noch keine medizinische Diagnose. Aussagen über KI-gestütztes Gesundheitsmanagement sollten deshalb als Herstellerpositionierung behandelt werden, solange unabhängige Validierung fehlt.
WePaws Smart Harness: viel KI, noch wenig überprüfbare Technik
WePaws führt seinen Pet Smart Harness auf der IFA als neues Produkt und verbindet ihn mit großen Versprechen: ein haustierspezifisches Sprachmodell, Emotionserkennung, Gesundheitsmanagement, Betreuung und Training.
Das klingt spektakulär. Für eine belastbare Bewertung fehlen bislang aber zentrale Informationen: Welche Sensoren stecken im Geschirr? Wie werden vermeintliche Emotionen erkannt? Gegen welche Referenz wurde das System validiert? Wie hoch ist die Fehlerquote?
Gerade „Emotionserkennung“ ist ein gutes Beispiel dafür, warum bei PetTech die Trennung zwischen interessantem Konzept und belegter Funktion wichtig bleibt.
PawSwing Neo: der Gegenentwurf zum KI-Gadget
PawSwing Neo fällt gerade deshalb auf, weil das Produkt ohne KI, App und Akku auskommt.
Das Katzenhaus soll beim normalen Hindurchgehen loses Fell über bürstenartige beziehungsweise biomimetische Oberflächen aufnehmen. Der Hersteller nennt etwa 20,4 × 17,7 × 18,5 Zoll für das Neo-Modell und eine Belastbarkeit von 35 lb.
Aussagen wie „90 Prozent des losen Fells“ stammen allerdings aus Herstellerangaben beziehungsweise eigenen Labortests. Ohne unabhängige Untersuchung sollte daraus kein objektiver Wirksamkeitswert gemacht werden.
Als IFA-Beispiel ist Neo trotzdem interessant: Nicht jede sinnvolle Haustiertechnik muss vernetzt sein.
Was auf einer Messe neu wirkt, aber nicht zwingend neu ist
IFA-Aussteller zeigen neben echten Premieren auch Produkte, die bereits auf früheren Messen oder Märkten vorgestellt wurden.
PETGUGU ist dafür ein gutes Beispiel. Der Anbieter führt unter anderem einen selbstspülenden smarten Katzenklo-Ansatz, Futterautomaten, Wasserspender und weitere PetTech-Produkte. Einzelne dieser Konzepte waren jedoch schon vor der IFA 2026 sichtbar.
Deshalb gilt für unseren Überblick: IFA 2026 ausgestellt ist nicht automatisch gleichbedeutend mit IFA-2026-Neuheit.
Drei Entwicklungen sind wichtiger als das KI-Label
Nach der IFA 2026 zeichnen sich aus unserer Sicht drei Trends ab.
1. Sicherheit wird stärker konstruktiv gedacht
M9 ist dafür das deutlichste Beispiel. Sensoren bleiben wichtig, aber Hersteller beginnen, potenzielle Gefahren auch über die mechanische Konstruktion zu adressieren.
2. Haustierverhalten wird nebenbei messbar
Futterautomaten protokollieren Mahlzeiten, Trinkbrunnen die Wasseraufnahme, Katzentoiletten Nutzung und Gewicht, Tracker Aktivität und Standort.
Welche dieser Daten tatsächlich erfasst werden, hängt vom Modell ab. Veränderungen über die Zeit können Hinweise auf geänderte Routinen geben; eine Diagnose lässt sich daraus nicht ableiten.
3. Hersteller wollen diese Daten zusammenführen
PetSuper zeigt besonders deutlich, wohin die Reise gehen könnte: Fressen, Trinken, Toilettennutzung und Aktivität landen nicht mehr in getrennten Apps, sondern in einem gemeinsamen Profil.
Das kann nützlich werden. Es macht aber Fragen zu Datenqualität, Fehlinterpretationen, Datenschutz und medizinischer Aussagekraft gleichzeitig wichtiger.
Unser Zwischenfazit zur IFA 2026
Die interessantesten PetTech-Neuheiten der IFA sind für uns nicht diejenigen mit den größten KI-Versprechen.
Riko verändert tatsächlich den Ablauf automatisierter Fütterung. M9 versucht, ein bekanntes Sicherheitsproblem konstruktiv anders zu lösen. Und die verschiedenen Tracking- und Ökosystemansätze zeigen, dass Haustiertechnik zunehmend von reiner Automatisierung zur passiven Datenerfassung übergeht.
Bei fast allen neuen Geräten gilt aber dasselbe: Die technischen Konzepte sind schon sichtbar, belastbare Praxiserfahrung entsteht erst nach Marktstart.
Quellenbasis und Einordnung
Die Quellen wurden im bereitgestellten Recherchepaket am 14. September 2026 erfasst. Hersteller- und Ausstellerangaben sind keine unabhängigen Wirksamkeits- oder Sicherheitsnachweise.
- Neakasa Deutschland: Riko
- Neakasa EU: abweichende Riko-Daten
- Neakasa Deutschland: IFA 2026
- Neakasa: IFA Innovation Award
- Whisker: Modellübersicht
- PurrSong: LavvieTAG 2
- PetSuper: IFA-Unternehmensmitteilung
- IFA: WePaws-Ausstellerprofil
- PawSwing: Neo
- IFA: PETGUGU-Ausstellerprofil
Für die grundsätzliche Geräteauswahl hilft unser Ratgeber Smarte Haustiertechnik. Dieser Messeüberblick ordnet die Neuheiten ein und ersetzt keinen Modelltest.